Fahrzeughersteller: flexibel werden oder aussterben – deliciouseasy.art

Fahrzeughersteller: flexibel werden oder aussterben

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Jörg Reger betrachtet die Herausforderungen für OEMs bei der Gestaltung einer möglichst zukunftssicheren Produktionsstätte

Das etablierte Modell für die Massenproduktion, bei dem dedizierte Anlagen die maximale Leistung bei gleichbleibender Qualität zu niedrigsten Kosten liefern, funktionierte gut für stabile Produktlinien und vorhersehbare zukünftige Nachfrage. Es ist für den turbulenten Markt von heute erbärmlich schlecht gerüstet. Drei Faktoren haben sich zu einem perfekten Sturm zusammengefügt: zunehmende Modellvielfalt, beschleunigte Technologieentwicklung und unvorhersehbare Verbrauchernachfrage.

Im laufenden Jahrzehnt werden Verbrennungsmotoren, die mit Benzin, Diesel oder alternativen Kraftstoffen betrieben werden, Brennstoffzellen, BEVs und Hybride auf dem Markt konkurrieren. Die Aufteilung des Verkaufsvolumens und damit die Produktionsleistung der verschiedenen Varianten hängt von Faktoren wie der regionalen Gesetzgebung zu Emissionen und Steuern, der Konsumbereitschaft der Verbraucher für das Produkt und dem Tempo der technischen Entwicklung ab. Auch die Lieferkette ist mit Unsicherheiten konfrontiert, beispielsweise wenn sich die bevorzugte Batterietechnologie ändert.

Die Zukunftssicherheit von Produktionsanlagen gegen Schwankungen im Produktmix und Volumen kann durchaus über Unternehmenserfolg oder Misserfolg entscheiden

Die Entwicklung der Antriebstechnologie ist jetzt so schnell, dass der optimale Antriebsstrang von heute innerhalb von nur ein oder zwei Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein kann; Die anfangs für diesen Antriebsstrang ausgewählten Fertigungslösungen müssen möglicherweise im Zuge der Neukonstruktion der Fahrzeuge selbst überdacht werden. Grundlegende Entscheidungen, wie das „Kitting“ von Baugruppen bei Lieferanten oder die Fertigstellung im eigenen Haus, können rückgängig gemacht werden. Ein solches Maß an Veränderungen ist mit traditionellen dedizierten Einrichtungen undenkbar.

Das wirtschaftliche Überleben der Zukunft erfordert Flexibilität und Agilität; die Fähigkeit, Produktionsvolumen und Produktmix schnell zu ändern und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies erfordert eine Änderung der Denkweise von der üblichen Herangehensweise an die Anlagenplanung. Der effektivste Weg, Unsicherheiten auszugleichen, besteht darin, von der konventionellen „Longline“-Produktion auf Fertigungszellen umzustellen, die schnell in Betrieb genommen oder umprogrammiert und umfunktioniert werden können, um sich an Nachfrageschwankungen anzupassen.

Die traditionelle Linie mag für die Endmontage noch geeignet sein, sollte aber durch flexible Zellen unterstützt werden, die keine Änderungen an der Gesamtanlage erfordern und vor allem ohne Produktionsverluste wiederverwendet werden können. Eine Möglichkeit, um sicherzustellen, dass die Zellen erfolgreich geändert werden, besteht darin, so viel Automatisierung wie möglich einzuführen. AGRs (Automated Guided Robots) und AMRs (Autonomous Mobile Robots) werden für einen reibungslosen Übergang entscheidend sein.

ABB-Roboter bei Beijing Electric Vehicle Company
Die zunehmende Modellvielfalt, die beschleunigte Technologieentwicklung und die unvorhersehbare Verbrauchernachfrage stellen die traditionelle Fertigung vor Herausforderungen

Neue Anlagen können dank Entwicklungen in der Simulation viel schneller als bisher spezifiziert, bewertet und in Betrieb genommen werden. Jeder Aspekt des Betriebs einer Fertigungszelle kann virtuell modelliert werden, dann können die Auswirkungen von Änderungen untersucht werden, um die Konsistenz und Qualität der Ausgabe zu validieren. Dies ermöglicht eine viel schnellere Kalibrierung einer neuen Anlage mit kürzerer Inbetriebnahmezeit und bedeutet, dass neue Produkte schneller in Betrieb genommen werden können, wodurch unerwartete Probleme fast vollständig eliminiert werden.

Indem mit einer einzigen Zelle begonnen wird, um den Ansatz zu validieren und Produktionsstandards zu setzen, können alle Parameter optimiert werden, ohne die bestehende Fertigung zu stören. Bei Bedarf können zusätzliche Duplikatzellen hinzugefügt werden, um bei steigender Nachfrage mit den erforderlichen Produktionsraten Schritt zu halten. Dies glättet sowohl das Hochfahren als auch das Herunterfahren und stellt sicher, dass die Flexibilität während der gesamten Lebensdauer einer Anlage erhalten bleibt, da Zellen außer Betrieb genommen, verschoben oder einem anderen Zweck zugeführt werden können.

Der Markt für Automobile verändert sich heute derart stark, dass Produktionsanlagen zukunftssicher gegen Schwankungen des Produktmixes und der Mengen sind, die über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden können.


Die hier geäußerten Meinungen sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die Positionen von Automotive World Ltd.

Jörg Reger ist Managing Director der Automotive OEM Business Line von ABB Robotics

Die Rubrik Automotive World Comment steht Entscheidungsträgern und Influencern der Automobilindustrie offen. Wenn Sie einen Kommentarartikel beisteuern möchten, wenden Sie sich bitte an editor@automotiveworld.com



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